Montage und Errichtung

Nach Jahren der Planung kommt der Moment, in dem ein Windpark tatsächlich Form annimmt: die Montage und Errichtung. Dieser Abschnitt ist nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern auch logistisch herausfordernd, denn eine moderne Windkraftanlage gehört zu den größten und schwersten Bauwerken unserer Zeit.

Der Bauablauf gliedert sich in mehrere Schritte, die genau aufeinander abgestimmt sind:

Fundament

Bevor der Turm sichtbar in die Höhe wächst, muss die Basis geschaffen werden. Zunächst wird die Baugrube ausgehoben, oft mit einem Durchmesser von bis zu 30 Metern und mehreren Metern Tiefe. Dort entsteht ein Stahlbetonfundament, das je nach Bodeneigenschaften als Flach- oder Tiefgründung ausgeführt wird.

  • Stahlarmierungen werden sorgfältig eingebaut, um die enorme Last des Turms aufzunehmen.
  • Mehrere hundert Tonnen Beton werden in einem Guss eingebracht, um Risse zu vermeiden.
  • Im Fundament wird das sogenannte Ankerkörbchen verankert – eine ringförmige Stahlkonstruktion, die später den Turmfuß aufnimmt und dauerhaft fixiert.

Erst nach einer Aushärtezeit von mehreren Wochen ist das Fundament belastbar und bereit für den nächsten Schritt.

Turm und Mast

Der Turm verbindet Fundament und Gondel und bringt die Rotorblätter in luftige Höhen. Je nach Anlagentyp besteht er aus:

  • Stahlsegmenten, die vorgefertigt angeliefert und mit Schraubverbindungen zusammengesetzt werden.
  • Betonteilen, die vor Ort wie ein Baukastensystem zusammengesetzt werden.
  • Hybridlösungen, die aus einem unteren Betonteil und oberen Stahlsegmenten bestehen.

Die Montage erfolgt mit Spezialkränen, die über 150 Meter hoch reichen können. Stück für Stück wächst der Turm in den Himmel. Im Inneren befinden sich Leitern, Kabelschächte und teilweise Aufzüge, die später den Zugang zur Gondel ermöglichen.

Gondel und Rotor

Bevor der Rotor montiert werden kann, wird die Gondel auf die Turmspitze gesetzt. Sie enthält die zentrale Technik der Windkraftanlage: Getriebe, Generator, Steuerungssysteme und Antrieb für die Rotorblätter. Allein die Gondel kann bis zu 100 Tonnen wiegen. Mit einem Schwerlastkran wird sie millimetergenau auf dem Turmfuß platziert und verschraubt.

Die Montage des Rotors gehört zu den spektakulärsten Momenten beim Bau einer Windkraftanlage. Die drei Rotorblätter, die je nach Anlagengröße zwischen 60 und 80 Meter lang sind, werden zunächst einzeln angeliefert. Jedes einzelne Blatt wird wie ein riesiger Flügel transportiert, oft mit Begleitfahrzeugen und teilweise über Nacht, um Straßen und Brücken nicht zu überlasten.

Es gibt zwei gängige Montagearten:

  • Einzelmontage: Die Blätter werden nacheinander an die Nabe geschraubt, während diese bereits an der Gondel befestigt ist.
  • Vormontage am Boden: Die Rotorblätter werden am Boden an der Nabe befestigt und anschließend als komplette Einheit mit einem Kran nach oben gehoben.

Die zweite Methode erfordert weniger Höhenarbeit, ist aber logistisch besonders anspruchsvoll, da das komplette Rotorpaket bis zu 150 Tonnen wiegen kann.